Kulturelles


Hohenlandiner Sagen und Geschichten

Der Höllentanger

Auf dem Wege von Hohenlandin nach Stendell befindet sich etwa 15 km von Hohenlandin entfernt, ein kleines, erhöht liegendes Waldstück, welches linker Hand die Gemarkungsgrenze bildet. Darinnen befindet sich eine tiefe Schlucht. Dieses Waldstück wird der Helltanger, auch Höllentanger, genannt.

Wie ist der Ort zu seinem Namen gekommen? Während des Dreißigjährigen Krieges, als das Land von wilden Heerscharen durchzogen wurde, die Städte und Dörfer gebrandmarkt, beraubt und verwüstet wurden, beschlossen zwei Hohenlandiner Bauern, ihr Vieh und notdürftige Habe unterzubringen. Sie wählten dazu den Höllentanger, der damals noch ein großer zusammenhängender Wald war. Eines späten Nachmittages bemerkten sie eine Staubwolke auf dem Weg nach Stendell. Es war ein 20 Mann starker Trupp Schweden. Schnell begannen die Bauern ihr Vieh in die Schlucht zu treiben. Das Unglück wollte es, dass gerade, als die Schweden vorbeiritten, eine Kuh zu brüllen anfing. Der Reitertrupp hatte das Kuhgebrüll gehört und war abgesessen. Während 6 Mann bei den ledigen Pferden zurückblieben, drangen die übrigen 14 Mann unter Führung ihres Cornetts in den Wald ein. Bald hatten sie den Rand der Schlucht erreicht und sahen tief unten das Häuflein verängstigter Menschen und das Vieh.

Mit lautem Geschrei stürzten sie sich in die Schlucht. Der Cornett, ein wilder, junger Geselle, war bis auf wenige Schritte herangekommen. Da brach plötzlich mit Gebrüll und Geschnaufe der wild gewordene schwarze Stier durch das Astwerk. Mit gesenktem Schädel unterlief er den Cornett und spießte ihn auf seine Hörner, zertrampelte noch zwei seiner Kumpane und raste, immer noch den Cornett auf seinen Hörnern durch das dichte Unterholz die Schlucht hinauf. Als die durch das Geschrei herbeigelockten Schweden das Ungeheuer auf sich zukommen sahen, ergriffen sie spornstreichs die Flucht, warfen sich auf ihre Pferde und jagten in wilder Hast davon und erzählten, glücklich gerettet, sie hätten den Leibhaftigen im Walde gesehen, er hätte vier Füße, zwei Hörner und einen Menschenkopf. Dort oben im Walde sei die Hölle gewesen, und seit der Zeit heißt heute noch das Waldstück "Höllentanger".

Quelle: Gerhard Hänsel, Uckermärkische Sagen, KiRO-Verlag 1996



Der Schlossbrunnen von Hohenlandin

Im Park von Hohenlandin befindet sich ein alter Brunnen, der heute überdeckt und außer Gebrauch ist. Der Kossät Johann Brinkmann hatte sein Anwesen in Hohenlandin etwa da, wo heute der Park liegt. Er war ein fleißiger, jedoch jähzorniger Mann. Sein einziger Sohn Christian, liebte die schöne Wendula, die Tochter seines Vetters Friedrich Brinkmann. Sein Vater durfte nichts von dieser Liebe wissen, da die Mutter des Mädchens eine Slawin war. An einem Sommerabend hatten sich die beiden Liebenden wieder getroffen. Währenddessen war der alte Brinkmann in seiner von einer alten Funzel erhellten Kammer auf und ab gegangen. Er ergriff seinen knotigen Eichenstock und verließ das Haus in der Richtung, da er seinen Sohn hatte verschwinden sehen. Da hörte er leises Gewisper und stürzte mit erhobenem Stock auf das Paar zu.

Zwar sprang der Sohn sofort auf und stellte sich schützend vor die zu Tode erschrockene Wendula, aber der Alte schlug sinnlos vor Wut das Mädchen nieder und dann seinen Sohn. Schweren Schrittes schleppte der alte Brinkmann seinen leblosen Sohn auf seinem breiten Rücken nach Hause. Schon an der Tatstelle hatte der Alte gesehen, dass Wendula tot war. Er war nunmehr bestrebt, die Spuren seiner Tat zu verwischen und hatte beschlossen, den Leichnam in seinen wenig ergiebigen Brunnen zu werfen. Am Brunnen angelangt, ließ er die tote Wendula hinabgleiten, holte Bretter und schwere Steine und überdeckte den Brunnen. Am nächsten Tage hob ein großes Suchen an.

Alles beteiligte sich daran, selbst der alte Johann, um keinen Verdacht zu erregen. Als man auch nach drei Tagen nichts fand, gab man die vergebliche Suche auf und es blieb nichts als das große Rätsel. Langsam genas der Sohn des alten Brinkmann. Aber als ein Jahr vergangen war und seine Schwermut nicht von ihm weichen wollte, gestand der alte Johann seinem Sohn, wo Wendula geblieben war. Am nächsten Morgen fand er die Überdachung vom Brunnen entfernt und seinen Sohn nicht mehr. Er hatte sich in den Brunnen hinab gestürzt. Bald darauf starb auch der alte Brinkmann an Gewissensqualen. An warmen Sommerabenden will dieser und jener Wendula und Christian auf dem Brunnenrand sitzend gesehen haben. Bei Nachtgewitter aber hört man wilde Schreie und Hilferufe, und dann wird alles still.

Quelle: Heimatkalender Angermünde, 1992