Artikel von Sabine Endmann im Uckermark - Anzeiger vom 29. August

Das vergessene Prachtschloss

Hat das einstige "Warburg House" in Landin eine Chance? / Bürger engagieren sich
für den Erhalt des historischen Erbes

Landin. Das Schloss Hohenlandin zerfällt zusehends und hat sich dennoch seinen ganz besonderen Charme bewahren können. 1860/61 unter der Leitung von Ferdinand Neubart zu Wriezen errichtet, lässt sich der einstige Glanz heute nur noch erahnen. Aber die Gemeinde mit ihrem Bürgermeister Franz Prätzel will die Hoffnung nicht aufgeben. Mit ABM und ehrenamtlichem Tun halten sie das Umfeld der Schlossruine in Schuss. Geradewegs so, als könnte morgen ein neuer Schlossherr an die Pforte klopfen.
"Es müsste sich jemand finden, der ernsthaft am Schloss und dem wunderschönen Lenné - Park interessiert wäre. Scharlatane hatten wir schon genug, aber ein richtiger Investor hat sich leider noch nicht für das Projekt erwärmt", bedauert Franz Prätzel. Der 55-Jährige wohnt gleich gegenüber vom Schlossterrain und kann sich noch gut an seine Schulzeit in Landin erinnern.
Das vom Krieg verschont gebliebene Schloss beherbergte nach 1945 die Umsiedler aus Schlesien und eben die Dorfschule. "Meine Eltern kamen wie viele aus Schlesien nach Landin und ich bin hier groß geworden. Es ist ein Jammer, dass zu DDR-Zeiten keine Hand für das schöne Schloss krumm gemacht wurde. Jetzt hat es kein Dach mehr und wer weis, wie lange die Fassade noch erhalten bleibt."
Die Zeit arbeitet gegen die Landiner und das historische Erbe, das sie bewahren möchten. Aber sie geben nicht auf. Stück für Stück machen sie aus dem jetzigen Lenné - Wald wieder einen altehrwürdigen Park. Frühere Wege werden freigeschnitten. Sichtachsen geben überraschende Durchblicke zum Schloss frei, einer der beiden Teiche wird mit einer ABM des Regionalen Fördervereins Pinnow und Unterstützung der Firma Ihlow renaturiert.
Ein kleiner Teepavillon am Teichufer entstand mit sehr viel Engagement wieder in neuem, alten Glanz. "Der Pavillon ist ein historisches Kleinod, in dem sich früher die Liebespaare trafen. Die ABM - Mitarbeiter haben mühevoll aus einem großen Schutthaufen alles Brauchbare herausgesammelt und beim Aufbau fast ausschließlich alte Steine verwenden können. Die Fleischerei Mai aus Angermünde hat uns das Eisengitter spendiert, damit der Pavillon nicht zur Müllkippe wird", erzählt Franz Prätzel. Zu einer solchen hatten sich Schloss und Umfeld seit 1977 entwickelt. Das Jahr, in dem die Nutzung der Räume endete, weil es überall durchregnete.
Keine müde Mark gab es für den Erhalt des historischen Gemäuers und Franz Prätzel kann sich das heute sogar erklären: "Ich habe mir die Karten von Landin angesehen und festgestellt, dass zwar die Wirtschaftsgebäude und die Brennerei eingezeichnet waren, das Schloss jedoch nicht. Dort wo das Schloss heute noch steht, verlief ein Weg quer durch. Ich muss sagen, dass hat mich doch etwas erschüttert. Denn das ist einfach der Beweis: Das Schloss sollte von Anfang an weg."
Der Bürgermeister hat die Karten im vorigen Jahr auf den seit gut 140 Jahren aktuellen Stand bringen lassen, so dass zumindest diese Frage geklärt ist. Franz Prätzel sammelt seit jeher alles zur Geschichte des Hohenlandiner Schlosses. Besonders stolz ist er auf eine Lithographie mit der colorierten Ansicht des einstigen, prachtvollen Schlosses der von Warburgs. Es hat zwei Türme, einen wunderschönen Wintergarten und hoch oben künden die Fahnen mit den Wappen der Familie von besseren Zeiten.
Dieses Bild vor Augen, wird bei einem Rundgang um die Ruine Geschichte tatsächlich lebendig. Mit ein wenig Phantasie sieht man die feinen Damen vom reich verzierten Balkon winken und hört die Schulkinder über die Flure rennen. Regen, Wind und Sonne zum Trotz lässt sich bis heute die eine oder andere sozialistische Losung an den Wänden entziffern.
Und auf die Ruine schauend, immer wieder der Stoßseufzer: Was für ein schönes Schloss! Ein echtes noch dazu, so wie in Schönow, das jetzt außensaniert für einen Käufer bereit steht. Zur Sanierung ohne Investor hat Franz Prätzel eine gespaltene Meinung: "Mal ehrlich, wenn sich kein Nutzer oder Käufer findet, sind es irgendwie verschwendete Steuergelder. Und die Gemeinden müssen immer auch einen Eigenanteil aufbringen. Aber in Landin gibt es so viel andere Dinge zu tun, da kann ich schlecht die wenigen Gelder für die Schlosssanierung vorhalten, obwohl weit und breit kein Käufer zu sehen ist."
Noch, möchte man hinzufügen. Denn vielleicht findet sich ja doch ein "Verrückter", der sich an die Spitze stellt, ein Nutzungskonzept entwickelt, Sponsorengelder eintrommelt und schließlich einen Investor überzeugen kann.
Aus eigener Kraft schafft das die kleine Gemeinde Landin mit ihren knapp 700 Einwohnern unmöglich. Aber die Bürger versuchen, das Beste daraus zu machen, eben das, was in ihrer Kraft steht. Dazu gehört der Frühjahrsputz genauso wie das alljährliche Schlossfest vor der Kulisse der Ruine. In den Abendstunden erleuchten dann Scheinwerfer das Haus - ein wunderschöner Anblick und ein trauriger zugleich. Denn der Lichtstrahl dringt ungehindert vom Erdgeschoss hinauf in den Himmel. "Warburg House", wie es einst hieß, wartet sehnlichst auf bessere Zeiten.
An Willen und Engagement mangelt es keineswegs, nur ein Herr von Warburg müsste eiligst über die Felder geritten kommen ...