Berlinale 2002
32. Internationales Forum
Berlin, den 11. Februar 2002


"UCKERMARK"
Regie: Volker KOEPP

Berlin ist ja immer für eine Überraschung gut. Immer wenn man am wenigsten damit rechnet, passiert was.
Das tägliche aktive oder passive Zur-Kenntnis-Nehmen der Medien lässt einen aufhorchen aber auch viele Dinge überhören. Also ist man auch auf andere Ohren angewiesen, wie z.B. auf Freund Volker, der bei einem Telefonat nebenbei erwähnte, dass im 32. Internationalen Forum der diesjährigen Filmfestspiele ein Film mit dem Titel "Uckermark" aufgeführt wird.
Man möchte meinen, man müsse sich in der Regel den Mund fusselig reden, um unsere Landsleute auf so eine Region wie diese aufmerksam zu machen oder -Gott bewahre- eine Naturkatastrophe, wie das Oder-Hochwasser in der jüngeren Vergangenheit, bringt der restlichen Republik ins Bewusstsein, dass es "da hinten" noch andere Landstriche gibt.
Nun also schon ein Film....!?
Spontanität ist dann immer eine feine Sache, also geschwind ein paar Karten in den Arkaden am Potsdamer Platz besorgen und nichts wie hin.

Koepps Werk ist in seiner Abfolge von Bildern und Interviews mit den Menschen vor Ort eine sehr gelungene Dokumentation.
Bei der Wahl der Örtlichkeiten ist nicht unbedingt eine Linie zu erkennen, außer dass sie insofern unserer Neigung entsprochen hat, denn wir haben als kleine Fangemeinde dann doch fähnchenschwingend einige Szenen kommentiert, als wir mit unserem bescheidenen Insider-Wissen mit Bildern aus "unserem Kuhkaff" Hohenlandin völlig unvorbereitet konfrontiert wurden.
Die Brennerei und die Gartenseite des Schlosses, wie sie sich im Jahre 2000 präsentierten.
Frische Rasenflächen in Vorbereitung auf die 750-Jahr-Feier im gleichen Jahr angelegt und initiiert durch unseren "Freund" vor Ort und ehrenamtlichen Bürgermeister Franz Prätzel im traurig-schönen Kontrast zu unserer "unglücklichen Liebe", den denkmalgeschützten und ruinösen Gebäuden des Gutshofes.
Vorher einige interessante Szenen aus dem benachbarten Pinnow, wo wir das erste Mal hörten was eine "SAM" ist, die man sicher nicht als SA-Maßnahme entschärft ausdrücken sollte und die sich Strukturanpassungsmaßnahme nennt.
Wie hat unser "zweiter Freund" der Amtsdirektor diesen Regisseur denn so geballt in seinen Amtsbereich gebracht...?
Die Interviews mit Graf und Gräfin Hahn gerieten dann doch zu einem womöglich ungewollten Schwerpunkt, denn der Film "kippte" im letzten Drittel zugunsten der Familiengeschichten derer von Arnim und eben derer von Hahn, was nicht unbedingt zu bedauern ist, wenn man -wie einige von uns- die uneingeschränkt herzliche und aufrichtige Gastfreundschaft dieser aus Bayern nach Blankensee zurückgekehrten Familie erfahren und zu schätzen gelernt hat.
Absolut sehenswert ist dieser Film aber schon wegen anderer sehr authentischer Gesprächspartner, Zeitzeugen und "Figuren", die unsere tragische, komische und eben tragikomische gemeinsam verursachte aber im getrennten erlebte und erlittene deutsche Geschichte illustrieren.

Peter Strzelczyk