dpa - Artikel in "DIE WELT" vom 10. September

Rettung für das uckermärkische Schloss Hohenlandin

Die Landiner und Studenten aus Berlin wollen das Herrenhaus im Tudor-Stil
wieder zu neuem Leben erwecken

Landin. Den Zweiten Weltkrieg hat es unversehrt überstanden. Den Sozialismus nicht. Im Schloss Hohenlandin in der uckermärkischen Ortschaft Landin (Brandenburg) fanden nach 1945 die Umsiedler aus Schlesien Unterschlupf. In einer anderen Etage drängelten sich die Schulkinder des Dorfes auf engem Raum. Alles war gut erhalten. Doch nach und nach nagte der Zahn der Zeit an dem schönen Gebäude-Ensemble. Das Schloss wurde immer weniger benutzt, verkam zu einer Ruine, durch die der Wind pfeift. Jetzt wollen es die Landiner gemeinsam mit Studenten aus Berlin wieder zu neuem Leben erwecken.
Der aus Mecklenburg stammende Rittmeister Wilhelm-Georg von Warburg hatte das Herrenhaus im Tudorstil 1860/61 errichten lassen. Das sogenannte "Warburg House" - so ist es in Geschichtsbüchern nachzulesen - sei ein Schloss ganz im normannischen Baustil, umgeben von einem seinerzeit etwa zehn Hektar großen Areal.
Dazu gehörten ein Park - gestaltet vom Generaldirektor der königlich-preußichen Gärten, Peter Joseph Lenné - sowie Wald und Acker. Mit weithin sichtbaren Türmen, Verziehrungen und geschwungenem Balkon hebt sich das Ensemble von den oftmals als Schloss bezeichneten uckermärkischen Gutshäusern ab.
"Zu DDR-Zeiten wurde in all den Jahren nichts daran gemacht, gar nichts. Die wollten das einfach nicht haben", berichtet Landins ehrenamtlicher Bürgermeister Franz Prätzel (SPD). "Zum Schluss zogen wir dann immer von einem Raum in den nächsten, weil es durchregnete." Seit 1977 war das einstige Prachtschloss dem Verfall preisgegeben. Einzig das Wirtschaftsgebäude wird genutzt. Die Kita-Knirpse vergnügen sich hier und toben auf einem großzügig angelegten, neuzeitlichen Spielplatz direkt vor dem Schloss.
Anfang der 90er-Jahre hätten ABM-Kräfte die Stuckdecken vorsichtig abgenommen und im Inneren des Schlosses gelagert, berichtet Peter Strzelczyk vom Förderverein Schloss Hohenlandin. "Auch neue Holzbalken lagen schon da. Aber die verschwanden nach und nach."
Vor fünf Jahren entdeckten junge Architekturstudenten und Lehrlinge aus Berlin das malerische verfallene Schloss in der Uckermark und gründeten den Förderverein. Student Strzelczyk erwarb bei der Treuhand drei Teilflächen des Areals. "Bei der Bodenreform in den 50er-Jahren ist das Grundstück in lauter Teilflächen gegliedert worden", schildert der 32-jährige Berliner.
Allein der Gutshof bestehe aus acht Teilen, die mehreren Eigentümern gehören - unter anderem der Kommune und dem Verein. An einen Tisch gesetzt, haben sich die Parteien noch nicht, jeder verwirklicht seine Ideen in seinem Areal auf eigene Faust. Die Studenten aus Berlin etwa kümmern sich um die alte Brennerei. Landins Bürgermeister hofft, dass aus dem ehemaligen Speicher irgendwann das neue Gemeindehaus wird.
Derzeit werden der große Schlossteich und der Park saniert. Der Teepavillon entsteht nach historischem Vorbild neu. "Hohenlandin hat schon so viele Leute bewegt", berichtet Strzelczyk, dessen Verein in den vergangenen Jahren Akten mit Informationen über das Schloss gewälzt hat. "Man bräuchte einen Rockefeller."